Den Gott nicht liebt

16. Juli 2008 · 1 Kommentar

25.

Das ist die Zahl der Mücken, die ich gestern Abend vorm Einschlafen noch erledigt habe.
In meinem Zimmer unter dem Dach war es so warm, so dass ich das Fenster offen gelassen habe – ich hätte nur besser auch das Licht aus gemacht.
Mindestens 2 Mücken haben meine Schlacht vorm Schlafengehen doch noch überlebt und schwirrten mir ihr Liedchen heute Nacht.
“Na wartet nur,” dachte ich immer wenn ich von einem “wirrrrrr” das an meinen Ohr vorbeizischte aufwachte. “Ihr Mücken habt nur eine Lebenserwartung von 24 Stunden… und ich kann warten…”

Abgesehen von diesem kleinen Mückenproblem ist es wirklich schön hier.
Die Reise hier hin war total witzig – einen Eindruck davon veröffentliche ich hier die Tage.

Meine Gastfamilie ist total nett und fürsorglich.
Die ersten drei Tage hatte ich direkt erstmal frei und konnte die Stadt ein bisschen kennenlernen.

“Berlin ist absolut dezentral.” sagte mir die 19jährige Tochter meiner Gastfamilie “Wenn du es kennenlernen willst solltest Du dir einige verschiedene Orte anschauen.
So bin ich die ersten Tage viel mit S-Bahn, Tram, U-Bahn und Metro-Tram umher geschaukelt, habe “Alex” (Alexanderplatz) gesehen und “Kotti” (Kottbussertor) – nicht so die Touristensachen.
Aber dafür Menschen, Menschen, Menschen.

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Die Bus- und Bahngeselschaft hier in Berlin wirbt mit dem Solgan “Die größte Bühne der Welt (sind die S-und U-Bahnen).”
Mich beeindruckt es auch immer wieder in so kurzer Zeit so viele unterschiedliche Menschen zu sehen.

Gestern, auf meinem Weg zur U1, stand ich an der Fußgängerampel der Warschauerstraße. Neben mir zwei sehr hübsche und – wie es in dieser Ecke häufig vorkommt – auffällig gestylte junge Frauen. Ihre Röcke waren ein bisschen kurz für das heutige Wetter, aber wahrscheinlich hatten sie an diesem Freitagabend auch nicht vor noch lange auf der Straße zu sein. Ich schnappte einen Fetzten aus ihrem Gespräch auf: “…ist echt voll ekelig, die sitzen hier immer, oder liegen auf der Wiese rum…”
Mein Blick fiel auf die kleine Gruppe Penner, die sich auf dem schmalen Rasenstreifen, neben dem Bürgersteig, niedergelassen hatten. Gerne würde ich die Frau neben mir fragen, was sie denn dafür getan habe, dass sie hier auf ihren Stöckelschuhen herumläuft und nicht dort in der Matsche liegt. Haben wir denn unser Leben wirklich so sehr selbst in der Hand wie wir denken? Wer hat diese Leute denn in die Matsche gebracht? Sie sich selber, ganz allein? Wer hat die andere auf die Stöckelschuhe gestellt? Und wer von beiden möchte sagen, er sei besser, als der andere?
Beide, die Stöckelnden und die Matschigen sind doch Menschen, mit Träumen und Zielen – die wahrscheinlich ganz anders waren, als das was sie jetzt leben. Menschen, die einen wichtigen Platz in unserer Welt haben. Unikate.
Schlimm, wenn sie es nicht wissen.
Weil es ihnen keiner sagt.
Weil niemand kommt und ihnen auf die Füße hilft.

Ich ging das letzte Stück bis zur U-Bahn. Links und rechts strömten die Menschen an mir vorbei. Alle sehr eilig, sehr zielstrebig. In ihre Schals gewickelt, denn der Wind war kalt an diesem Tag. Ich war nachdenklich und erinnerte mich an das Bild, von dem Mann in einem fernen Land. Auch er lag am Straßenrand. Verletzt, ausgeraubt. Ein Fremder kam, half ihm auf und kümmerte sich um ihn. Zuletzt brachte er ihn in einer Herberge sicher unter.
Und ein Rabbi sagte dazu: „Geh hin und tu desgleichen!“

Die Türen meiner U-Bahn schlossen sich und ein Zitat kam mir in den Kopf.
„Es geht kein Mensch über die Erde, den Gott nicht liebt“ Das soll Pastor Friedrich von Bodelschwigh oft gesagt haben. Er gründete nicht nur die bekannte Pflegeanstalt in Bethel, sondern auch die „Hoffnungstaler Anstalten Lobetal“, 15km nördlich von Berlin. Sie sind bis heute ein Zufluchtsort und eine Herberge für die Obdachlosen der Metropole.

Als der Zug losfuhr fragte ich mich: „Ob ich wohl auch etwas für diese Menschen tun kann?“

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1 Antwort bis hierher ↓

  • Axel // 20. August 2008 um 20:11 | Antworten

    AMEN dazu…

    unsere Aufgabe ist nur die Liebe des Vaters mehr bekannt zu machen….

    Verändern können wir keinen Menschen, nur auf den Vater hinweisen.

    Liebe Grüße in die Hauptstadt

    vom Axel

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