Ein paar Tage nach meiner OP im Herbst 2005 saß ich in einer kleinen Kapelle.
Ich war mit meinem Rollator vom Krankenzimmer, den Gang entlang gegangen. Durch zwei Türen – sie schwangen automatisch auf – um eine Ecke an der Bilder aus Legosteinen angebracht waren.
Die Kapelle war an sich unglaublich hässlich: Weiß-blau. Ein lebensgroßer bärtiger Mann aus Holz an der Wand. Daneben eine Holzfrau – bestimmt Maria.
“Na Gott” betete ich “Was willst Du denn mit den beiden in deiner Wohnung?”
Es war das erstemal seit Tagen, dass ich wieder mit Gott geredet hatte.
Seit ich von der Intensivstation gekommen war hatte ich Tag und Nacht wach gelegen und schlechte Träume gehabt – Tags und Nachts.
Wo war Gott da gewesen? Ich hab ihn gerufen, aber er hat gar nichts gesagt.
“Sag mal,” betete ich weiter “Wo warst Du denn die ganze Zeit? Etwa hier in diesem hässlichen Zimmer?”
Ja, eine dumme Frage, selbst damals wusste ich schon, dass Gott immer überall ist. Aber manchmal, wenn man ein bisschen sauer ist und dazu auch noch krank, da fragt man nunmal Sachen so wie sie einem auf dem Herzen liegen und nicht so wie der Verstand sie korrigiert.
In einer Ecke stand ein E-Piano.
Nein, ich kann nicht gut spielen. Konnte ich dort erst recht nicht. Ein Häufchen Elend, auf 50kg Körpergewicht geschrumpft, die Finger ganz steif, die Handgelenke blau von Spritzen und Kanülen.
Aber den Knopf auf dem “Demo” stand, den konnte ich drücken.
Auf der Fensterbank konnte man gut sitzen. Durch die bunten Scheiben fiel die warme Herbstsonne, spiegelte sich in dem Gestänge meines Rollators, wärmt meinen Rücken.
Das E-Piano spielte. So schön, dass der Holzmann und die Maria doch fast hätten aufblicken müssen. Und ich merkte, der hässliche, leere Gottesraum war nicht mehr leer.
“Hab ich doch gewusst, dass Du hier bist Gott…” Die Wärme der Sonne war wie Medizin für meinen steifen Rücken und die sanfte Klaviermusik für mein erschrockenes Herz.
Ein Mann kam in die Kapelle. Im Herzen betete ich “Oh Herr, bitte berühre auch ihn.”
Ein Abschluss war dieser Besuch in Gottes Zimmer und ein Anfang. Der Abschluss von 2 Jahren schrecklicher Krankheit.
Und ein Anfang?
In doppelter Hinsicht. Ich betete “Jetzt Gott – sobald ich wieder laufen kann – kann ich endlich richtig für dich leben.” Das war der Anfang mit dem lebendigen Gott und mir.
Und nebenbei war es auch der Anfang einer anderen Liebe.
Meine Liebe zur Klaviermusik, die mich wohl immer erinnern wird.
Zwar an Krankheit, Angst und an Herbst aber auch an Sonne, Heilung und Heil.


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